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Kostenvoranschlag: Definition, Bindung, § 649 BGB und Muster

Ein Kostenvoranschlag ist die fachliche Schätzung eines Unternehmers, was eine Leistung voraussichtlich kosten wird. Anders als ein Angebot nennt er keinen festen Preis: er darf abweichen, solange der Unternehmer nicht die Gewähr für seine Richtigkeit übernommen hat. Das Gesetz nennt ihn „Kostenanschlag“ (§ 632 Abs. 3 und § 649 BGB).

Angebot oder Kostenvoranschlag? Der Unterschied in einer Tabelle

AngebotKostenvoranschlag
Preisfest; bindet den Anbieter, sobald der Kunde annimmtSchätzung; darf abweichen
Überschreitungnur mit Zustimmung des Kundenbei wesentlicher Überschreitung: Kündigungsrecht des Kunden (§ 649 Abs. 1 BGB), Anzeigepflicht des Unternehmers (§ 649 Abs. 2 BGB)
Kosten der Erstellungüblicherweise kostenlos„im Zweifel nicht zu vergüten“ (§ 632 Abs. 3 BGB) – nur gegen Entgelt, wenn vorher vereinbart
Typisch beiklar beschriebener Leistung: Serienteile, Standardarbeitenunklarer Umfang: Reparatur, Sanierung, Fehlersuche

Was das Gesetz sagt (Wortlaut)

§ 632 Abs. 3 BGB: „Ein Kostenanschlag ist im Zweifel nicht zu vergüten.“

§ 649 Abs. 1 BGB: „Ist dem Vertrag ein Kostenanschlag zugrunde gelegt worden, ohne dass der Unternehmer die Gewähr für die Richtigkeit des Anschlags übernommen hat, und ergibt sich, dass das Werk nicht ohne eine wesentliche Überschreitung des Anschlags ausführbar ist, so steht dem Unternehmer, wenn der Besteller den Vertrag aus diesem Grund kündigt, nur der im § 645 Abs. 1 bestimmte Anspruch zu.“

§ 649 Abs. 2 BGB: „Ist eine solche Überschreitung des Anschlags zu erwarten, so hat der Unternehmer dem Besteller unverzüglich Anzeige zu machen.“

Quelle: § 649 BGB und § 632 BGB auf gesetze-im-internet.de, abgerufen am 30.10.2026. Ab welchem Prozentsatz eine Überschreitung „wesentlich“ ist, steht nicht im Gesetz; das entscheiden Gerichte im Einzelfall. Wer sicher sein will, vereinbart die Grenze schriftlich.

Was in einen Kostenvoranschlag gehört: Checkliste

  1. Anbieter mit Anschrift und Kontakt; Kunde mit Anschrift.
  2. Datum und eine Nummer, damit beide Seiten denselben Stand meinen.
  3. Bezeichnung der Leistung und, bei Teilen, Zeichnungsnummer und Werkstoff.
  4. Positionen mit Menge, Einheit, Einzelpreis und Betrag; Material und Arbeit getrennt.
  5. Netto, Umsatzsteuer, Brutto – gegenüber Verbrauchern immer den Endpreis mit Steuer nennen.
  6. Gültigkeit („gilt bis …“): ohne Datum gilt der Preis unbestimmt lange.
  7. Verbindlichkeit: „unverbindlicher Kostenvoranschlag“ oder „Festpreis“ – ein Wort entscheidet über § 649 BGB.
  8. Ausgeschlossenes: was nicht enthalten ist (Anfahrt, Entsorgung, Nebenarbeiten).
  9. Liefer- oder Ausführungstermin und Zahlungsbedingungen.

Muster: so sieht ein sauberer Kostenvoranschlag aus

Mustermann Drehtechnik GmbH · Musterweg 1 · 42551 Velbert · angebot@example.com
Kostenvoranschlag Nr. 2026-0042 · Datum 30.10.2026 · gilt bis 29.11.2026 · unverbindlich

Beispiel GmbH, Einkauf, 42551 Velbert

Ihre Anfrage: Welle nach Zeichnung 4711-B, Werkstoff 1.4305, 50 Stück, Liefertermin KW 48

Pos.LeistungMengeEinzelpreisBetrag
1Rüsten1,5 h65,00 €97,50 €
2Bearbeitung3,33 h80,00 €266,67 €
3Material 1.430550 Stk3,20 €160,00 €
Netto524,17 €
USt. 19 %99,59 €
Gesamt623,76 €

Nicht enthalten: Versand. Zahlung: 14 Tage netto. Lieferung: KW 48/2026.

Die Zahlen sind ein Rechenbeispiel (Rüstzeit 1,5 h, Stückzeit 4 min, 50 Stück), kein Marktpreis. Wie der Stückpreis mit der Losgröße fällt, zeigt der Staffelpreis-Rechner; den Stundensatz liefert der Maschinenstundensatz-Rechner.

Häufige Fragen

Ist ein Kostenvoranschlag verbindlich?

Im Regelfall nicht. Er ist eine Schätzung; verbindlich wird er erst, wenn der Unternehmer die Gewähr für seine Richtigkeit übernimmt, etwa durch das Wort „Festpreis“. Ohne Gewähr gilt § 649 BGB: Bei wesentlicher Überschreitung darf der Kunde kündigen und schuldet nur die bis dahin erbrachte Leistung.

Darf ich für den Kostenvoranschlag Geld verlangen?

Nur wenn das vorher vereinbart wurde. § 632 Abs. 3 BGB: „Ein Kostenanschlag ist im Zweifel nicht zu vergüten.“ Wer Aufwand hat (Fehlersuche, Aufmaß), vereinbart das Entgelt vor dem Termin.

Was muss ich tun, wenn es teurer wird?

Unverzüglich Bescheid geben (§ 649 Abs. 2 BGB) – vor der Mehrarbeit, nicht mit der Rechnung. Am sichersten schriftlich, mit neuer Summe und der Frage, ob weitergearbeitet werden soll.

Wie lange ist ein Kostenvoranschlag gültig?

So lange, wie darauf steht. Das Gesetz nennt keine Frist; ein Gültigkeitsdatum („gilt bis“) schützt vor alten Materialpreisen.

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